Mitte November noch einmal in die Alpen zum Biken erschien mir etwas komisch. Ich hatte Schnee und eisige Temperaturen vor Augen, Spikes an den Reifen und als Bekleidung alles was der Kleiderschrank hergibt. Diese Bedenken halfen wenig, denn der letzte, nachgeschobene Trailscout Kurs der DIMB findet nun einmal Mitten im November im Vinschgau statt.
Die Trailscout Ausbildung ist Teil eines modularen Ausbildungskonzepts der DIMB und des BDR. Sie ist der Einstieg und Vorraussetzung für die Ausbildung zum lizensierten MTB Guide, darüber hinaus können durch den Kurs weitere Fortbildungen wie Outdoor-Erste Hilfe oder Freeride Guiding besucht werden. Weitere Infos zum Kurs und dem Fortbildungskonzept findet ihr bei der DIMB.
Tag 1 – Anreise
Das beherrschende Thema kurz vor der Abreise war der Wetterbericht. Dieser war, milde gesagt, desaströs: Dauerregen, eisige Temperaturen und keine Aussicht auf Besserung. Naja, so wurde also alles was an warmer Bikebekleidung (in diesem Bereich wurde ich glücklicherweise von Norrona unterstützt) vorhanden war in die Tasche gepackt, das Bike noch schnell zum Wintercheck gebracht und mit entsprechender Bereifung ausgerüstet, und dann ging es Samstag morgen auch schon los in Richtung Südtirol. Das Wetter während unserer Fahrt war so, wie wir es für die nächsten fünf Tage erwarteten – kalt, neblig, regnerisch. Südlich von München hellte es aber plötzlich auf und der Himmel gab den Blick auf die ersten schneebedeckten Gipfel der Alpen frei – so gefiel uns das schon eher. Die Fahrt durch das herbstliche Inntal und die anschließende Überquerung des Reschenpasses waren landschaftlich ein Traum, und so verging die Fahrt recht schnell und wir erreichten am Nachmittag das Vinschgau.
Zimmer beziehen, erste Bekanntschaften schließen und schon ging es zum ersten Schulungstermin in die Räumlichkeiten der freiwilligen Feuerwehr Tarsch. Wir wurden von unseren beiden Ausbildern Tobias Krause und Mathias Marschner begrüßt und uns wurde der Ablauf der nächsten Tage dargelegt. Der örtliche Wetterbericht war glücklicherweise weitaus positiver, nur der Sonntag sollte mieserabel bleiben. So wurde beschlossen den größten Teil der Theorie an einem Marathon am Sonntag durch zu arbeiten und die verbleibenden drei Tage für die Praxis zu verwenden. Nach dieser kurzen organisatorischen und Vorstellungsphase begaben wir uns endlich zum Abendessen zurück in die Pension Sachsalber. Wir bekamen, wie nun jeden Abend ein köstliches, regionales Vier-Gänge Menü von Martha gezaubert. Schon allein des Essen wegens empfiehlt sich eine Übernachtung in der Pension Sachsalber (darüber hinaus ist Roman ebenfalls Trailscout und kennt die Wege des Vinschgaus sehr gut).
Tag 2 – Theoriemarathon
Schon zum gemeinsamen Frühstück war allen klar, dass die Entscheidung für einen Theorietag goldrichtig war. Der Blick aus dem Fenster offenbarte Regen, Nebel und die Kälte ließ sich vermuten. So wanderten wir freudig dem vermeintlich warmen Schulungsraum entgegen und waren gespannt auf die Themen des heutigen Tages. Wir beschäftigten uns mit Vorbereitung, Durchführung und Arten des Guidings, setzten uns mit Themen der Natur- und Sozialverträglichkeit auseinander und debattierten hitzig über Rechtsfragen. Die Themen waren didaktisch gut aufbereitet und wurden oft im Team erarbeitet und den anderen zur Diskussion gestellt. Da viele in der Gruppe schon aktiv guideten wurde dieser Tag vor allem auch zu einem großen Wissensaustausch, aus dem wahrscheinlich jeder wichtige und nützliche Informationen mit nehmen konnte.
Um sicher zu gehen, dass wir ihnen auf Grund der langen Theorieeinheit nicht einschliefen wurde die Heizung noch nicht in Betrieb genommen und so blieb der Raum kühl. In den ganzen Tagen hatten wir wahrscheinlich an diesem Tag die meisten Kleidungsstücke an, obwohl einige diesen eisigen Temperaturen im kurzen Shirt trotzten. Alles in allem ein super Theorietag mit einer gelungenen Mischung aus wichtigen und nötigen Fakten und dem Input aus der Teilnehmerdiskussion.
Tag 3 – Fahrtechnik
Am Montag wurde das Wetter nun langsam besser, der Schnee verzog sich in höhere Lagen und auch der Nebel lichtete sich. Die Teilnehmer erschienen schon in kompletter Bikemontur im Schulungsraum, so dass es nach einer knappen Theorieeinheit direkt losgehen konnte. Bis Mittag beschäftigten wir uns nun in einem Fahrtechnikkurs mit unserer eigenen Technik auf einem Parkplatz in Latsch. Für mich war es erstaunlich wieviel man, auch als erfahrener Biker, in einem Anfängerfahrtechnikkurs noch lernen kann. Mit den Jahren haben sich einfach viele kleine Fehler eingeschlichen für die man in einem solchen Kurs sehr gut sensibilisiert wird. Für mich besonders hilfreich war die Besprechung der Planung und Durchführung eines solchen Kurses und das individuelle Feedback.
Am Nachmittag wurde das am Morgen Gelernte nun direkt auf den Vinschgauer Trails angewandt. Wir alle waren froh unsere Räder endlich ein wenig durch die Wälder bewegen zu dürfen. Dabei demonstrierten uns Tobi und Mathias verschiedene Guidingtechniken und besprachen diese in kurzen Pausen. Auf den Spitzkehren der Montanitrails konnten wir die gelernte Kurventechnik anweden und alle kamen mit einem breiten Grinsen am Ausgang des Weges an. So war klar, dass diese Übungseinheit wiederholt werden musste – schließlich wollten wir ja besser werden.
Am Ende dieses Tages hatten wir wirklich das Gefühl uns das Essen verdient zu haben und dementsprechend wurde auch gegessen. Das Dessert Highlight der Tage gab es passenderweise auch heute Abend, mit Schokomousse überzogene Windbeutel. Nach dem Essen saß der Großteil der Gruppe noch länger bei isotonischen Getränken beisammen, diskutierte die Erlebnisse des Tages, aber auch Touren und andere Erfahrungen wurden ausgetauscht.
Tag 4 – Guiding, Notfallmanagement
Am vierten Tag zeigte sich das Vinschgau endlich von seiner ausgeglichenen Seite – Sonne pur, milde Temperaturen und schneebedeckte Gipfel. Heute sollten wir Teilnehmer uns nun selber im Guiding üben, so dass Einzelne immer wieder für eine bestimmte Wegstrecke die Führung der Gruppe übernehmen durften. Anschließend gab es direktes Feedback von den Teilnehmern und auch den Ausbildern. Für die Wenigsten war es das erste Mal Guiding, doch mit dem Gelernten der letzten Tage wollten viele Sachen beachtet werden und vor allem das direkte Feedback war hilfreich zur eigenen Einschätzung und des eigenen Guidings.
Wie am Abend zuvor schon angekündigt, sollte der Tag auch für praxisorientiertes Notfallmanagement genutzt werden. Am morgen wurde uns noch einmal gesagt, dass es möglich sei auf Verletzte zu stoßen. So wussten wir zwar das Etwas passieren würde, doch wir wussten nicht wann und was, und vor allem nicht wen es als Guide treffen würde. Gleich am Anfang schon, stürtzte sich also Mathias einen Hang hinunter und brachte Tobi ins Schwitzen, er verirrte sich und ließ bei mir gleich zwei (Schwer-)Verletzte zurück. Und auch wenn wir wussten, dass diese Situationen gespielt waren, so sprang unser Adrenalinspiegel doch in ungeahnte Höhen und wir mussten wieder einmal merken, wie weit Theorie und Praxis auseinander liegen können. Die Situationen konnten von den anderen Teilnehmern beobachtet werden und wurden in direkten, ausführlichen Gesprächen auf gearbeitet. Für viele Teilnehmer war dieser Teil sicherlich einer der Interessantesten und Lehrreichsten der gesamten Veranstaltung. Wir wurden stark für das Thema und das ständige Üben solcher praxisorientierten Situationen sensiblisiert.
Tag 5 – Guiding, Feedback
Der fünfte Tag empfing uns schon im Frühstücksraum mit Sonne und Ausblick auf die wunderbaren Trails des Sonnenberges. Gestärkt trafen wir uns direkt zum Bikecheck vor dem Schulungsraum um anschließend direkt fahren zu können. Auch heute stand noch einmal Guiding für die Teilnehmer auf dem Programm. So hatten wir die Möglichkeit das Feedback des Vortages einzubringen und uns in anderen Guidinsituationen zu versuchen. Auch hier gab es, wie am Vortag, direkt anschließende Feedbackgespräche.
Mittag gab es dieses Mal, dank der leckeren Wegzehrung von Roman, direkt auf dem Berg. Hier zeigte uns Mathias den normalen Inhalt eines Guide Rucksacks, wobei wir endlich den Begriff des “Schleppdepps” verstanden. Zurück in Tarsch trafen wir uns ein letztes Mal im Schulungsraum und ließen gemeinsam die letzten Tage Revue passieren. Einigkeit unter den Teilnehmern herrschte vor allem hinsichtlich der guten Stimmung und des großen Lernerfolgs. Anschließend gab es noch ein kurzes individuelles Feedback für jeden Teilnehmer. Danach ging es, für die Heimreisenden, auch schon an die Verabschiedung der anderen Kursteilnehmer.
Insgesamt waren es fünf sehr lehr- und erfahrungsreiche Tage, welche vor allem in der Zeit danach noch richtig aufgearbeitet werden wollen. Eine super Stimmung und ein gutes, motiviertes Ausbilderteam haben zu diesem Gelingen sicher genau so beigetragen, wie das Interesse der Kursteilnehmer. Ich freue mich schon darauf den Ein oder Anderen aus dem Kurs nächstes Jahr auf einer der Fortbildungsmaßnahmen der DIMB wieder zu treffen.
Schlagworte: DIMB, Trailscout, Vinschgau




















[...] fast schon im Winter, machte ich mich noch einmal auf den Weg in die Alpen zum Biken. Eine Woche Trailscoutausbildung im Vinschgau. Sonnenschein, traumhafte Trails und natürlich eine Vielzahl an Informationen und Wissen. Vor [...]
Thank you a good deal for sharing this with all men and women you in fact recognize what you are speaking about! Bookmarked. Please furthermore speak more than with my internet internet site =). We could have a hyperlink alternate arrangement among us! 694503