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Matterhorn Umrundung – Die Tour ums “Hörnli”

4. Juni 2009

„Den Theodul-Pass?! Kenn’ ich nicht, klingt wie irgendein x-beliebiger Pass irgendwo in den Bergen“, so hätte meine Antwort sicherlich vor einiger Zeit gelautet, und ich hätte weiterhin noch ergänzt, dass ich mir sicher bin, dass man diesen Pass wirklich nicht kennen muss. Bis zum Januar letzten Jahres hatte zumindest ich noch nie etwas von dieser Schneise im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet gehört, und ich war deswegen auch nicht gerade betrübt. Doch dann gab es da diesen Bericht im bike-Magazin: Ein paar schöne und ebenso ungewöhnliche Bilder, traumhafte Berge und Mountainbiker im Schnee zwischen Skiliften, eine interessante Tourenbeschreibung, und auf einmal hatte sich ein Hirngespinst in unseren Köpfen festgesetzt: Die Umrundung des Hörnli, wie von manchen Schweizern das Matterhorn liebevoll und sicher auch ein wenig verniedlichend genannt wird, sollte nach dem Lesen dieses Reiseberichts das Ziel unserer diesjährigen Alpen-Tour sein.

Dabei bildete die Überquerung eben jenes Theodul-Passes den krönenden Abschluss. Da wir die letzten vier Jahre immer von Deutschland oder Österreich aus über den Alpenhauptkamm zum Gardasee unterwegs waren, musste es dieses Jahr einfach mal etwas anderes sein.

Ab diesen ersten übereinstimmenden Diskussionen begannen dann recht schnell die Vorbereitungen für die Tour. Im Hinblick auf das fahrerische und konditionelle Training gingen die Unterschiede weit auseinander. Da gab es welche, die nicht nur im Inland Kilometer um Kilometer herunterspulten und sich dabei auch nicht von Wetterkapriolen stoppen ließen, und es gab wiederum vereinzelt jene Biker, deren Vorbereitung hauptsächlich aus dem Verzehr von landestypischen Lebensmitteln (Schweizer Schokolade, Käse, …) bestand. Wie auch immer! Und so machte sich Anfang Juli eine Handvoll Erlanger auf den Weg nach Visp im Kanton Wallis. Die größte Aufmerksamkeit wurde an diesem Abend noch einem „Schweizer Rösti“ zuteil, noch dazu einem, das wir nie zu Gesicht bekamen! Vielleicht hätten wir aber nach diesem Abend schon sensibilisiert sein müssen, dass auf dieser Tour Speis’ und Trank einen größeren Einfl uss auf die Gemütslage und das körperliche Wohlbefinden der Fahrer haben werden als in den Jahren zuvor. Der nachhaltigste Einfl uss zeigte sich schon im Laufe des nächsten Tages. Eigentlich war es eine erste Etappe wie man sie sich nur wünschen kann. Blauer Himmel, Sonnenschein, angenehm warme Temperaturen, eine abwechslungsreiche Strecke auf unterschiedlichem Untergrund, und das Ganze in traumhafter Landschaft. Doch irgendwo zwischen Mittagessen in Ergisch und Wassertanken bei einem Gebirgsbach müssen sich ein paar unliebsame Mitreisende zu uns gesellt haben. Jene ungeladenen Gäste entpuppten sich einige Tage später im Krankenhaus als hartnäckige Bakterien, deren Bekämpfung sich über mehrere Wochen hinzog. Ihre Wirkungsweise demonstrierten sie aber schon recht eindrucksvoll am Nachmittag des ersten Tages. Vor allem ihre Fähigkeit, sämtliche Mageninhalte in Rekordzeit wieder aus dem Körper zu befördern, führte schlussendlich auch dazu, dass wir die Reise am Morgen des nächsten Tages nur noch zu viert fortsetzen konnten. Nicht gerade erfreulich, vor allem nicht für den Betroffenen.

Ansonsten war der zweite Tag ein guter Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Tage noch häufiger erwarten sollte. Zumeist ein einziger, dafür umso längerer Anstieg bis auf ungefähr 2.800 m – an diesem Tag war der Meidenpass mit 2.801m der höchste Punkt des Tages – und anschließend eine lange Abfahrt zum jeweiligen Etappenziel. Dabei muss gesagt werden, dass der Begriff „Anstieg“ über weite Strecken leider wörtlich zu nehmen ist. Die vermeintlichen Singletrails entpuppten sich nicht selten als unwegsame und verblockte Wanderwege, die uns dazu nötigten, unsere Drahtesel zu tragen oder zu „stoßen“, wie die Schweizer diese für Radler unangenehme Fortbewegungsweise nennen. Und dies nicht nur bergauf, sondern zu allem Überfl uss auch noch bergab. Zusätzlich zu dieser Plackerei taten schlechte Sicht, desorientierte Navigationsgeräte, Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt ihr Übriges, dass der Begriff „Genießen“ nicht gerade großgeschrieben werden konnte an diesen Tagen. Erwärmen konnte uns am 2. Tag lediglich das Mahl in der Cabanna Bella Tola, die wir am Nachmittag nassgeschwitzt und durchgefroren erreichten; vorallem jenes unvergessene Risotto erweckte wieder sämtliche Lebensgeister in uns. Auch am darauff olgenden Tag blieb uns die Schönheit der Landschaft weitestgehend verborgen. Lediglich während unserer spätnachmittäglichen Wanderung durch blühende Almwiesen – ich kam mir schon fast vor wie Heidi und wäre nicht wirklich überrascht gewesen, wenn plötzlich der Geißen-Peter um die Ecke gekommen wäre – erhaschten wir vereinzelte Blicke auf die aus den Wolken und dem Nebel auftauchenden Berge.

Mehr als entschädigt haben uns dann aber die nächsten Tage. Erwähnenswert ist dabei neben vielem anderen die Abfahrt nach Verbier. Es war wirklich beeindruckend, ausgehend von unserem Quartier „Hotel de Mauvoisin“ (nebenbei das einzige Gebäude der gesamten Ortschaft, mit uns als den einzigen Übernachtungsgästen und einer Aura, die dem Film „Psycho“ als Vorlage gedient haben könnte) ging es durch Felsstollen, vorbei, bzw. unter Wasserfällen hindurch, fast immer mit Blick auf die umliegenden Gletscher und am Ende des Marsches hinauf zum 2.805 m hohen „Fenetre de Durand“, führte der Weg quer durch die ersten Schneefelder. „Wild-romantisch“, wie manch einer zu sagen pflegte, Radlerherz, was willst du mehr?!

Wenn ich jetzt nach dem „Theodul-Pass“ gefragt werde, so wird meine Antwort lauten: „unterhalb des Matterhorns und unbeschreiblich schön!“ Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen, und jeder, der wie wir unter ähnlichen Bedingungen dort gewesen ist, wird es sicherlich bestätigen.

Autor: Carsten

Hier noch einmal alle Bilder der Tour.

Über den Autor

Heiko

Begeisterter Biker und Cheffe von Bikedress. Teilnahme an mehreren verschiedenen MTB Etappenrennen (Cape Epic. Trans Rockies, Trans Alp) und mehrfacher Alpenüberquerer.

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6 Kommentare

  1. Peter sagt:

    Hallo Norman

    Wir planen diese Jahre auch eine Matterhornumrundung.
    Wir wollen die in der MTB Zeitung beschrieben Tour (Visp – Ergisch – Grimentz – Les Collons – Fionnay – Nus – Cervinia – Visp) machen.
    Wie bist Du denn gefahren?

    Hast Du zufällig die GPS Daten für die Tour?

    Gruß
    Peter

  2. Norman sagt:

    Hallo Peter,

    eine sehr schöne Tour die du dir da rausgesucht hast.
    Schreib doch einfach eine kurze Mail an service(at)sportdress.de, dann können wir dir nähere Infos und die GPS Daten zur Verfügung stellen

    Viele Grüße

    Norman

  3. Kai Posaric sagt:

    Hallo

    ich plane dieses Jahr eine Matterhorn Umrundung(Visp – Ergisch – Grimentz – Les Collons – Fionnay – Nus – Cervinia – Visp.

    Können Sie mir sagen, wo ich entsprechende GPS Daten beziehen kann?

    Danke und Grüße
    Kai Posaric

  4. Heiko sagt:

    Hi Kai,

    ich hoffe Du bist mit den Daten, die ich Dir geschickt habe zurecht gekommen.
    Falls Du noch Fragen zu der Tour hast, kannst Du Dich gerne an mich wenden.

    Gruß
    Heiko

  5. Wolfgang sagt:

    wir fahren von Susa – Cervina nach Visp und suchen auch GPS-Daten hauptsächlich von Täsch nach Visp, möglichst wenig auf der Hauptstraße, gerne dürfen einige Singletrails dabei sein.
    Gruß
    Wolfgang

  6. Reto sagt:

    Hallo,

    erst mal herzlichen Dank für den schönen Bericht. Ich möchte mit 3 Freunde die Tour dieses Jahr wagen und wollte ebenfalls nach GPS-Daten nachfragen.

    Dank und Gruß, Reto

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